Ausbildung FIAE – Ist das noch normal? Meine Motivation ist am Ende…


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Dieses Thema enthält 3 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Angela vor 1 Monat.

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    Hallo Leute 🙂

    Ich bin gerade an einem Punkt angelangt, an dem mich meine Ausbildung einfach nur noch ankotzt. Also was heißt gerade. Eigentlich geht mir das schon seit Anfang des 2. Lehrjahres so. Ich beiße seitdem die Zähne zusammen und versuche den letzten Teil der Ausbildung noch hinter mich zu bringen. Aber das nützt einfach nichts. Mich frustriert das hier von Tag zu Tag mehr. Es nimmt einfach kein Ende.

    Ich würde gerne mal die Meinung von jemand außen Stehenden wissen, ob das hier denn auch nur ansatzweise vertretbar ist. Um den vollen Umfang zu vermitteln, versuche ich das einfach mal irgendwie zusammenzufassen. Sorry falls es etwas mehr wird, ich bin im 3. Lehrjahr und es ist ja nun einige Zeit vergangen.

    Meine aktive Ausbildung durch den Betrieb lässt sich rückblickend auf die ersten zwei Wochen meiner Ausbildung begrenzen. Also damit meine ich, dass mir fachlich gezielt von jemanden etwas beigebracht und ich nicht völlig mir selbst überlassen wurde. Mir wurde eine kleine Aufgabe zugeteilt, um mich in die Entwicklungsumgebung einzuarbeiten. Nachdem ich einen 5-10 minütigen Crash-Kurs von einem Azubi im 2. Lehrjahr bekomme hatte, hieß es dann „versuche es selbst herauszufinden oder frag jemanden“.

    Für den Anfang war das okay. Es ist ja nichts verwerfliches dabei, wenn man von anderen Azubis etwas gezeigt bekommt. Das ist ja nur der Anfang. Später arbeitet man dann sicher mal mit der ein oder anderen Festkraft zusammen, der einen dann richtig unter ihre Fittiche nimmt….tja, dachte ich zumindest.

    Nachdem ich meine Aufgabe zur Zufriedenheit aller erfüllt hatte, bekam ich meine nächste Aufgabe: Die Entwicklung einer Serienbrief-Applikation für unser Warenwirtschaftssystem. Der Chef erklärte mir also die Thematik und was das Ding alles können muss. Ich fing an daran zu arbeiten und musste mir natürlich wieder neues Wissen erfragen.

    Als Quelle nahm ich mir zwei Azubi’s Anfang 3. und 2. Lehrjahr. Ich wurde an Code-Schnipsel aus irgendwelchen alten Projekten verwiesen. Und je mehr ich fragte um zu lernen, desto erstaunter wurde ich. Man konnte mir oftmals nicht einmal erklären, warum das an der Stelle genau funktionierte. Oder falls etwas nicht funktionierte, warum nicht. Mein Gott, die Leute wussten nicht einmal, dass sie da mit Objekten arbeiteten. Oder was das überhaupt ist. Dass es so etwas wie Funktionen und Attribute gibt. Und das sie das die ganze Zeit benutzen. Man hatte die Schnipsel von irgendwoher kopiert und notdürftig versucht zum laufen zu bringen. Der Azubi im 2. Lehrjahr hatte noch nie von Arrays gehört. Und dem im 3. LJ musste ich erklären, dass man zwei Strings in einer Bedingung nicht einfach mit == vergleichen kann. Hallo? Das war Wissen, welches ich mir, als ich privat mit programmieren angefangen habe, innerhalb der ersten paar Wochen selbst angeeignet hatte. Und die Jungs waren jetzt bereits 1-2 Jahre in Ausbildung…da sollte man doch solch simple Sprachkonzepte bereits gelernt haben? Oder etwa nicht?

    Ich wurde also etwas stutzig und fing an zu bohren, ob es hier denn keine Festkräfte gibt, die uns etwas beibringen können. Da ich so langsam das Gefühl bekam, das ich eine verlässlichere Quelle zur Wissensbeschaffung brauchte. Ich bekam leider keine zufriedenstellende Antwort. Es war halt einfach so, dass die 2 Festkräfte die in unserem Bereich tätig waren und uns dementsprechend etwas beibringen konnten, so überlastet waren, dass sie keine Zeit für uns hatten. Und damit gab sich scheinbar jeder stillschweigend zufrieden. Wenn es gar nicht ging, hat man sich ihnen doch mal aufgerdrängt, aber das hat man i.d.R. vermieden und die Probleme dann irgendwie umständlich gelöst.

    Ein paar Monate später bekam ich dann im privaten Rahmen eine offene Antwort von meinem Vorgesetzten, zu dem ich bis dahin eine recht enge Beziehung aufgebaut hatte: „So kleine Betriebe wie wir können es sich nicht leisten einen Programmierer dafür zu bezahlen, um euch etwas beizubringen. Solche Leute müssen Gewinn erwirtschaften. Ihr müsst selbst schauen, dass ihr das irgendwie hinbekommt. Wir brauchen Leute wie dich, dich sich das selbst aneigenen können und die selbst die Initiative ergreifen“. Auf meine Reaktion hin, dass das doch so einfach aber nicht gehen kann und warum man denn dann überhaupt ausbilde, wenn man doch keine Kapazität dafür hat, bekam ich nur schweigende Zustimmung. Er meinte, dass er und die anderen Mitarbeiter daran nichts ändern können. Das sei halt Sache der Geschäftsführung…

    Ab da nahm mein Schicksal also seinen Lauf. Ich erledigte die mir zugetragene Aufgabe und bekam direkt die nächste: Die Entwicklung einer Formulareinrichtung für unser Warenwirtschaftssystem. Mehrsprachig, mit versch. Funktionen. Die Erstellung/Einrichtung sämtlicher Belege unseres Warenwirtschaftssystems sollte darüber laufen. Wieder habe ich mich da durchgefuchst. 3 Monate daran gearbeitet und irgendwann war ich dann fertig. Es hieß, dass dieser Teil mit einer der komplexesten in der Wawi sei. Und wow das funktionierte sogar wirklich. Das größte Script faste direkt mal ~4000 Zeilen Code. Ein ziemlich gewaltiges Konstrukt mit Unmengen an Verschachtelungen und Funktionen. Und das war ja nur ein Script von vielen.

    Als ich damit fertig war wurde mir dann direkt die nächste Aufgabe gegeben. Niemand hatte das was ich da gemacht habe seitdem kontrolliert. Geschweige denn, mir mal irgendwie Verbesserungsvorschläge gegeben oder mal geschaut, ob das überhaupt alles Sinn macht oder beim nächsten Kunden komplett krachen gehen wird. Wenn man erst 3-5 Monate in Ausbildung ist und so ein Projekt bekommt, dann sollte man doch davon ausgehen, dass sich das irgendwer mal anschaut??? Oder? Zumindest mal kurz? Eine klitze kleine Sekunde??

    Ich bekam also ein neues Projekt. Es galt als der Versuch in einer neuen Branche Fuß zu fassen. Ich habe mit einem kleinen Träger für Kindertagesstätten zusammengearbeitet und ein kleines Intranet-Portal zu Erfassung der einzelnen Kinder und Auswertung mittels versch. Statistiken erstellt. Das Projekt kam super an, wir wurden weiterempfohlen etc.

    Danach bekam ich ein neues Projekt. Wieder der Versuch in einer neuen Branche Fuß zu fassen. Es ging um einen Lebensmittel-Produzenten. Erfassung von Produktionsdaten, versch. Auswertungen, Lieferscheinen etc. Das volle Programm halt. Das kam wieder gut an und wir wurden weiterempfohlen.

    Nachdem ich damit fertig war, ist mein Kita-Projekt explodiert. Wir hatten einen Termin bei einer großen Stadt, welche sich dafür interessierte. Mein Chef und ich waren dort bei dem Termin. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt ca. 10% des von der Stadt geforderten Funktionsumfangs. Da die Stadt das aber binnen der nächste 3 Monate einsetzen wollte, inkl. Einarbeitung etc., wollte man also wissen wie lange es denn dauern würde, um dieses Projekt umzusetzen. Man fragte also mich…den Azubi am Ende des 1. Lehrjahres. Weil ich das zu diesem Zeitpunkt ja auch so gut einschätzen konnte, ich habe ja schließlich langjährige Erfahrung, LOL. Ich schaute also verzweifelt und fragend meinen Chef an und sagte in etwa „Mehrere Wochen wird das schon dauern. Ich müsste das Projekt erstmal vollständig sichten, um das richtig einschätzen zu können“. Damit gab man sich seitens der Stadt aber nicht zufrieden. Und mein Chef überlief das Gespräch zurückhaltend seinen Lauf. Letzten Endes hatte sich mein Chef dann auf einen Auslieferungstermin in 4 Wochen geeinigt. Gemäß dem Motto „Hauptsache sie unterschreiben erst einmal. Wie wir das schaffen schauen wir dann später. Oder besser gesagt, unser Azubi muss dann schauen“

    Zurück in der Firma wurden dann natürlich sämtliche verfügbaren Ressourcen meinem Projekt zugewiesen. Sämtliche Azubis ( 8 an der Zahl) und 2 Festkräfte. Und da ich als einziger in der Thematik Bescheid wusste, sollte ich die Leitung übernehmen. Es war ja nur mein Chef und ich beim Termin. Mein Chef hielt sich da also fein raus und überließ das Projekt vollständig mir. Ich bin also die nächsten 4 Wochen im Dreieck gesprungen. Habe versucht die ganzen Leute zu koordinieren und anzuleiten, die ganzen Themen auszuarbeiten, die Umsetzungen zu planen (Personalbedarf, Platzvergabe/Warteliste, Kitagebührenberechnung, Auswertungen etc. Es war einfach unglaublich viel). Ein Azubi Ende 1. LJ leitet also ein 10-köpfiges Entwicklerteam. Mit Festkräften, Azubis in höheren Lehrjahren. Es war der blanke Wahnsinn, denn ich war ja der unerfahrenste von allen. Mir hatte auch keiner gezeigt wie man so ein riesiges Projekt überhaupt sinnvoll aufzieht und die ganzen Beteiligten organisiert.

    Als Unterstützung wurde mir dann nach 2 Wochen ein weiterer Mitarbeiter zugeteilt. Es hieß „sorgen sie bitte dafür, dass das Projekt richtig über die Bühne geht.“ Der Kollege kam also zu mir, wollte dass ich alle zu erledigenden Dinge/Aufgaben zusammenfasse und verteilte sie dann anschließend wild an meine Kollegen. 2 Tage später war er weg. Homeoffice in einer anderen Stadt. Er war immer nur 1-2mal pro Woche im Betrieb. Super. Er hinterlies, in meinem bis dahin so mühevoll zusammengehaltenen Projekt, das reinste Chaos. Keiner hatte mehr den Gesamtüberblick. Die Leute hatten Aufgaben bekommen ohne die näheren Zusammenhänge zu kennen. Und alle kamen mit weit offenen Augen zu mir. Also blieb wieder alles an mir hängen. Es war abzusehen, dass das so völlig in die Hose gehen würde. Also habe ich einfach wieder die Kontrolle übernommen, seine Anweisungen aufgehoben, sein Chaos beseitigt und das Projekt wieder auf meine Art organisiert.

    Nach den wohl härtesten 3-4 Wochen meines Lebens war es dann schließlich geschafft. Ich hatte zwischendurch noch 2 Wochen Berufsschule. Ich habe in der ersten Woche täglich 5-10 Anrufe in der Berufsschulzeit bekommen und anschließend noch 1-2 Std mit den Kollegen in der Firma telefoniert, um das aus der Ferne noch irgendwie zusammenzuhalten. In der zweiten Woche hatte man mich dann komplett von der Schule befreit, da dass so nicht funktionierte. Die letzten beiden Wochenende habe ich komplett durchgearbeitet, da ich nur noch schwarz gesehen habe, dass wir das zeitlich so schaffe. Das Projekt wurde schließlich ausgeliefert, bis auf ein paar kleine Macken funktionierte alles, der Kunde war zufrieden und hat uns extreeeeeeem engagiert weiter empfohlen.

    Nach diesem Projekt ging dann mein Lebensmittelproduktions-Projekt in die neue Runde. Der in Deutschland zweitgrößte Markterführer dieser Branche interessierte sich dafür. Mit einem der Betriebe dieses Konzerns entwickle ich gerade das Projekt, als Basis für den gesamten Konzern. Wenn das erfolgreich wird, soll es dann im in allen anderen Betrieben eingeführt werden, um endlich eine einheitliche Basis zu schaffen. Ich muss also nicht erwähnen, dass auch hier wieder eine beträchtliche Summe dahintersteckt. Vom Wiederverkaufwert an andere Unternehmen dieser Branche einmal abgesehen…

    Und wieder arbeite ich vollständig eigenverantwortlich daran. Seit das Projekt vor ~5 Monaten begonnen hat, weiß wieder niemand außer mir und den Projektbeteiligten darüber Bescheid. Die gefühlten 40 Excel-Tabellen in die ich mich einarbeiten musste hat außer uns mir noch nie jemand anderes gesehen. Ich war bei allen Terminen komplett alleine, bis auf den ersten, bei dem mein Chef mich vorgestellt hat. Es gibt keine einzige Festkraft die darüber Bescheid weiß. Man vertraut mir da scheinbar einfach schon wieder blind und denkt sich „och der macht das schon“. Gut es klappt ja auch immer, aber muss es denn jedes mal so sein? Ich bin Azubi!!!

    Das Team, mit dem ich dieses Projekt umsetzen sollte, ist einfach nur göttlich. Von der alten Truppe von damals sind ja fast alle gegangen…nur die wenigsten Azubi’s bleiben hier länger, als sie müssen. Mein Team besteht nun also aus
    2 Azubis im 1. Lehrjahr, welche gerade mal 3 Monate dabei sind. Ich muss sie quasi selbst ausbilden, damit ich mit ihnen bei dem Projekt überhaupt etwas anfangen kann.
    1 Praktikant mit einer Art LRS-Schwäche, der kein einziges Wort ohne Rechtschreibfehler schreiben kann.
    + mein Azubikollege aus dem 3. Lehrjahr, auf den ich mich einfach nicht verlassen kann, der tagelang für die simpelsten Aufgaben braucht und hier nur seine Zeit absitzt.

    Es ist einfach nur zum Heulen. Und dieser Kunde ist unser wichtigster Kunde. Da hängen ja noch ganz andere Projekte mit dran (hardware, webseiten etc.) Selbst der Chef sagt nun, dass mein Projekt unser derzeit wichtigstes Projekt ist. Es sorgt sich scheinbar auch wieder niemand darum, dass dieses Projekt wieder nur allein auf meiner Schulter lastet. Ich bin ja bestens dafür ausgebildet wurden…haha, genau. Und die Umstände sind wieder einfach optimal.

    Nach nun 6 Monaten erneuter Anstrengungem sind wir endlich in der Endphase, das Projekt ist ausgeliefert, bezahlt, der Kunde zufrieden und innerhalb der nächsten 2 Wochen soll es vom Kunden richtig in Betrieb genommen werden.

    Und jetzt, wie gehts weiter? Wenn ich nun wieder sehe was als nachfolgende Projekte für mich geplant sind: 2 weitere Städte wollen das Kita-Projekt. Wieder ein riesiger Umbau, da in den Städten vieles völlig anders ist.
    Mein Lebensmittelproduktions-Projekt soll für eine andere Branche umgebaut werden. Man stellt sich das wieder so einfach vor, denkt sich man kann das einfach so umbauen, weiß aber noch nicht einmal genau, was die dort alles machen und brauchen. Irgendein riesiges QM-Projekt soll ich noch machen. Die Kita-Portale der 2 anderen Kunden sollen erweitert werden. Mit Sepa-Einzug etc. Bei der Formulareinrichtung warten mehrere Kunden auf spezielle Anpassungen. Ich drehe langsam durch. ALles was ich hier jemals angefasst habe bleibt komplett an mir hängen. Das wird mir echt langsam zu bunt.

    Mir wird hier nichts gezeigt, aber ich soll alles machen und können. Allein das Thema Projektleitung war für mich ja schon DIE Herausforderung. Scrum, Kanban-Boards etc. Davon hatte hier zuvor noch nie jemand etwas gehört. Ich habe diese Dinge quasi erst einführen und durchboxen müssen, nachdem ich gemerkt habe, dass ich so einfach nicht arbeiten arbeiten kann. Ich habe das Gefühl jedes Rad neu erfinden zu müssen, nur weil es hier niemanden gibt, der so richtig Ahnung hat. Das ist alles so verdammt unprofessionell. Ich versteh einfach nicht, wie so etwas in dieser Branche überhaupt möglich sein kann.

    Unsere Arbeitsbedingungen sind natürlich auch der Wahnsinn. Unser Entwicklerraum ist viel zu klein. Der Raum ist ca. 2 Mal so groß wie meine kleine Mini-Küche und dort sitzen wir mit 8-9 Leuten drin. Ich muss mir über Kopfhörer Musik reinmachen, damit ich überhaupt noch meine eigenen Gedanken hören kann. Es gleicht oft einer lautstarken Klassenzimmer-Atmosphäre. Man kann den Leuten das sprechen aber auch nicht verbieten, schließlich müssen sie bei Problem/Analysen ja irgendwie kommunizieren. Wenn ich Kunden anrufe, muss ich also schauen, dass ich einen „ruhigen Moment“ abpasse, damit die Leute mich am Telefon überhaupt verstehen. Andere Plätze gibt es nicht, an die ich mich setzen könnte…

    Die ganze Firmen- und Personalpolitik kotzt mich auch einfach nur noch an. Vor ein paar Monaten haben 3 Festkräfte zeitgleich gekündigt (warum wohl, mein netter Vorgesetzter ist jetzt auch gegangen..). Es werden keine neuen Festkräfte eingestellt und stattdessen hat man sich nun neue Azubis und Praktikanten geholt. Und diese werden natürlich einfach an mich weitergereicht.. Die sollen einfach an meinem nicht gerade kleinen Projekten mitarbeiten. Wie das genau funktionieren soll, darüber macht sich natürlich niemand Gedanken. Die Leute haben noch nie programmiert. Wer bringt denen etwas bei? Ich habe keine Zeit dafür, aber ich muss sie ja irgendwie einsetzen. Ich fange also wieder komplett beim Urschleim an. Und mittlerweile gibt es hier eine lustige neue Regelung: Die Azubis dürfen die Festkräfte nur noch nach 15 Uhr mit ihren Fragen behelligen. Das war quasi die einzige Entlastung die ich noch hatte. Jetzt werde ich aller 5 Minuten von jemanden angesprochen, weil er Fragen zum Projekt hat, nicht weiter kommt, eine neue Aufgabe braucht etc. Ich komme wirklich zu nichts mehr und ich finde einfach keine Ruhe.

    Meine Urlaubsplanung kann ich auch vergessen. Zu Anfang der Ausbildung habe ich meinen Urlaub vorbildlich im Voraus beantragt und geplant. Da ich als Azubi hier ja aber offensichtlich unentbehrlich bin und den Großteil meiner Urlaube wegen versch. Projekte verschieben musste, habe ich irgendwann versucht meinen Urlaub nach meinen Projekten zu richten. Ihn quasi dann zu nehmen, wenn gerade mal Luft ist. Sonst bringt das ja nichts, wenn ich mich darauf freue und ihn dann doch wieder verschieben mss.

    Da hieß es dann immer „das ist aber verdammt kurzfristig, beantragen sie ihn doch besser im Voraus.“ Weil mir das dann zu blöd wurde, jedes mal um meinen Urlaub betteln zu müssen, habe ich also wieder angefangen ihn im Voraus zu beantragen.

    Und siehe da: Mitte November hatte ich im Anschluss an meinen Berufsschul-Turnus 1 Woche Urlaub beantragt. Am Freitag vor meinem Urlaub wurde telefonisch angefragt, ob ich meinen Urlaub von Montag und Dienstag verschieben kann. Ich hatte davor, zwecks eines Kundentermines meinen Urlaub für den Mittwoch bereits verschoben. Ich war 2 Wochen nicht da, an meinem Projekt wurde während meiner Abwesenheit weiter gearbietet und ich wäre dann Mittwoch völlig blind in den Kundentermin gelaufen. Zumal das die letzten 2 Wochen ohne mich natürlich wieder nicht richtig geklappt hatte. Also habe ich mich wieder breitschlagen lassen…mache ich ja immer.

    Am Mittwoch um 19 Uhr, als wir dann vom Kundentermin wieder zurück zur Firma aufgebrochen sind, wir also bereits 11 Stunden unterwegs waren und ich endlich in meinen lang ersehten Urlaub wollte, wurde ich dann gefragt, ob ich meinen restlichen Urlaub nicht auch noch verschieben kann. Denn so klappt das jetzt wieder nicht, weil ja nun wieder keiner weiß was zu machen ist, wenn ich wegb bin.

    Natürlich, denn ich war ja wieder der einzige Entwickler der bei dem Termin dabei war und nun wusste was besprochen wurde. Und allgemein bin ich ja auch der einzige der hier überhaupt noch durchsteigt. Das konnte man natürlich vorher nicht kommen sehen…nein, ach, wie auch. Man versucht aber auch nicht mir dieses Laster mal irgendwie abzunehmen. Und wenn ich frage, bekomme ich nur bescheuerte Antworten, woher man denn die Mitarbeiter nehmen soll. Also habe ich ihn wieder verschoben, weil ich einfach nur bescheurt bin und das immer wieder mitmache. Es gibt immer nur die 2 Optionen: Entweder ich lasse mich breitschlagen oder das Projekt geht den Bach runter. Also Urlaub verschoben, bis irgendwann ins Unbekannte, bis das Projekt es wieder hergibt. Das hat natürlich eine Weile gedauert. Anfang Januar sind die Chefs nun erst einmal 3 Wochen in den Urlaub gefahren, da durfte ich meinen Urlaub dann natürlich auch nicht nehmen. Danach habe ich jetzt erst einmal 2 Wochen Berufsschule und dann kann ich hoffentlich meinen Urlaub nehmen. Mein Urlaub wurde jetzt also spontan mal so um die 2,5 Monate verschoben. Kann man ja mit mir machen, klar. Und ob ich ihn dann auch wirklich bekomme, weiß ich nun auch noch nicht. Wer weiß was dann wieder ist.

    Kann irgendjemand nachvollziehen wie sehr mich das alles ankotzt? Wir frustriert ich mittlerweile bin? Das ich hier am liebsten alles hinschmeißen würde, nur um zuzusehen wie dieses bescheuerte Kartenhaus, dass man über mir errichtet hat zusammenfällt? Ich finde das einfach nur noch krank. Soweit ich weiß, sollte man einen Azubi doch wie eine zusätzliche Arbeitskraft behandeln. Wenn der Azubi ausfällt, muss das Unternehmen doch trotzdem noch genauso weiter funktionieren. Ich arbeite hier seit Mitte des 1. Ausbildungsjahres komplett eigenverantwortlich und bin nicht ersetzbar, weil ja eben keiner weiß, was ich hier eigentlich alles mache. Niemand sieht sich für mich verantwortlich oder denkt auch nur im Entferntesten daran, mir mal gezielt etwas beizubringen.

    Gibt es nicht irgendwelche Vorgaben, welche festlegen was der Betrieb uns während der Ausbildung beibringen muss? Oder können die uns einfach einsetzen wie sie wollen? Ändern kann ich an meiner Situation hier im Betrieb leider überhaupt nichts, das habe ich schon mehrfach versucht. Ich bin wegen versch. Themen auf die Geschäftsführung und andere Mitarbeiter zugegangen, aber irgendwie führt das alles zu nichts. Man stimmt mir zu, kann es aber nicht ändern. Man ist mir dankbar, dass ich mich so reinhänge und deswegen vieles über Wasser gehalten wird. Aber bringen tut mir das nichts und ändern tut es auch nichts.

    Hat jemand einen Rat oder kann mir zumindest sagen, wie er darüber denkt? Ist das noch normal?
    Dieser Betrieb macht mich einfach nur wahnsinnig.

    Sorry für so viel Text. Da lag mir ja echt was auf der Seele °_°

    • Dieses Thema wurde geändert vor 1 Monat, 1 Woche von  config.
    #151832

    Angela
    Moderator

    Hallo config,

    das ist eine wirklich heftige Geschichte! Und natürlich ist das nicht in Ordnung. Ein Azubi ist im Betrieb, um etwas zu lernen und nicht als kostengünstige Alternative für einen Festangestellten!

    Natürlich gibt es Vorgaben, was Dir der Ausbildungsbetrieb beibringen muss. Es gibt eine Ausbildungsverordnung, einen Ausbildungsrahmenplan und im Berufsbildungsgesetz (BBiG) sind die Pflichten des Ausbildungsbetriebs genau festgelegt.

    Ansprechpartner bei Schwierigkeiten rund um die Ausbildung ist Deine zuständige IHK. Diese sollte über die Zustände in Deinem Betrieb informiert werden, um hier ggf. die Ausbildungsberechtigung zu prüfen. Allerdings muss man einschränkend hinzufügen, dass so manche IHK nur daran interessiert ist, möglichst viele Ausbildungsbetriebe zu haben und weniger an der Qualität der jeweiligen Ausbildung. Es ist aber nicht gesagt, dass das in Deinem Fall so ist. Ein Gespräch schadet hier nicht. Jede IHK hat einen oder mehrere Ausbildungsbeauftragte, hier also einfach mal nachfragen.

    In diesem Zusammenhang möchte ich auch das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) ansprechen, in dem so Dinge wie max. zulässige tägliche Arbeitszeit, Ruhezeiten etc. geregelt sind. Es scheint mir, dass Dein Ausbildungsbetrieb auch hiergegen massiv verstößt.

    Leider kann ich Dir darüber hinaus keinen Rat geben, wie Du Deine aktuelle Situation verbessern kannst. Nach Deiner Beschreibung wird der Betrieb kein Interesse haben, daran etwas zu ändern. Warum auch, er bekommt für wenig Geld eine vollwertige Arbeitskraft. Im jetzigen Stadium der Ausbildung in einen anderen Betrieb zu wechseln, um die Ausbildung zu beenden ist kaum möglich, darüber hinaus müsste der Betrieb dem Wechsel zustimmen, was ich für unwahrscheinlich halte. Ausbildung abbrechen ist auch eine schlechte Option….

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Monat von  Angela.
    #151834

    config
    Teilnehmer

    Hallo,

    danke für die schnelle Antwort. Ja abbrechen ist keine Option, aber der Gedanke ist schön. Ich wäre hier einfach schon lange weg, wenn ich mich nicht gerade in einer Ausbildung befinden würde. Aber meinen Abschluss riskiere ich deswegen sicher nicht. Augen zu und durch…

    Ich hatte am Anfang schon gemerkt, dass hier irgendetwas nicht ganz rund läuft. Aber man wird ja von allen Seiten erst einmal beschwichtigt. Familie, Kollegen, Geschäftsführung. Dann hing da noch mein Umzug mit dran. Man ist neu also stellt man nicht direkt alles und jeden in Frage. Man zweifelt erst einmal immmer an sich selbst…ach verdammt, die Masche klappt echt zu gut bei uns Azubis^^ Naja rückblickend ist man halt immer schlauer.

    Ich hatte schon darüber nachgedacht, mich mal an die IHK zu wenden. Aber wie schon gesagt,
    man weiß ja nicht was es bringt. Mein Klassenlehrer in der Berufsschule sagte mir in etwa selbiges.
    Es könnte etwas bringen oder es aber noch schlimmer machen. Und hier erwarte ich eher letzteres, denn man hat kein Interesse daran die Leute auszubilden. Man hätte ja auch gar keine richtige Kapazität dafür. Und ich bezweifle,
    dass sich die Ausbildungsverordnung hier schon mal jemand richtig angeschaut hat.

    Und das war ja nur ein kleiner Teil der Geschichte. Was es da noch alles für Storys gab, verrückt.
    z.B. habe ich einmal mitbekommen, wie der Chef 3 meiner Azubi-Kollegen eine 1 stündige Powerpoint-Präsentation über ihre Kostenstelle gehalten hat. Wie viel sie der Firma doch kosten und wie wenig Umsatz sie dafür erwirtschaften. Als Paradebeispiel wurde da ich im ersten Lehrjahr angepriesen, weil ich im 1. LJ schon mehr erwirtschaftet hatte, als alle im 2. LJ zusammen. Das lag aber auch an den Projekten, da konnten die Jungs nichts dafür. Aber ich denke das verdeutlicht ganz gut, welchen Zweck wir hier haben 🙂

    Wenn ich meinen Abschluss in der Tasche habe, werde ich mich aber sicher mal bei der IHK melden. Schon alleine im Sinne aller Beteiligten, denn es rücken ja jährlich neue Azubis nach. Und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Aber schön zu hören, dass das auch Außenstehende so sehen. Hier hört man ja immer nur die selbe Leier…

    Grüße

    #151835

    Angela
    Moderator

    Im Hinblick auf die nächsten Azubis halte ich es für eine gute Idee, nach Deinem Abschluss die IHK zu informieren.

    Ich wünsche Dir auf alle Fälle alles Gute für Deine restliche Ausbildung!

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