Fehlzeiten, frisiertes Berichtsheft, weitere Probleme


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  • #109631
    Query
    Teilnehmer

    Hallo ihr lieben,

    ich habe mich hier angemeldet, weil ich einen Rat gebrauchen könnte.

    Primär möchte ich zwei Probleme ansprechen:

    Unser Azubi führt sein Berichtsheft seit September sporadisch bis überhaupt nicht.

    Selbstverständlich wurde er regelmäßig höflich aber bestimmt daran erinnert. Es gab Gespräche, persönliche Erinnerungen und techn. Hilfestellungen wie den Kalender mit Erinnerungsfunktion, Erinnerung per Handywecker etc. und eine Frist, seine Ausbildungsnachweise bis zum 18.12. abzugeben. Diese Frist wurde versäumt, obwohl er an diesem Tag, es war der letzte Arbeitstag vor seinem Urlaub, sich ausschließlich um sein Berichtsheft kümmern sollte.

    Als Konsequenz wurde eine schriftliche Abmahnung verfasst, die er allerdings erst nach seinem Urlaub erhalten soll. Eine Abmahnung während der Weihnachtsfeiertage im Briefkasten vorzufinden fühlt sich für mich nicht richtig an.

    Nun habe ich gesehen, dass er seine Nachweise gestern am 21.12. von zu Hause aus in unsere Firmencloud hochgeladen hat.

    Mit unserem Azubi ist die Phantasie gewaltig durchgegangen. Problem Nr. 2 ist, er kommt auf max. 33 Wochenstunden Arbeitszeit. Er fehlt unentschuldigt, geht früher oder kommt später zur Arbeit. Die Ausbildungsnachweise wurden zB. durch „3 Stunden allgemeine Bürotätigkeiten“, „5 Stunden Hilfe bei der Buchhaltung leisten“ und „2 Stunden in Fachbüchern lesen“ so aufgefüllt, dass er täglich auf seine 8 Stunden kommt. Ich meine wir sind anwesend. Wir wissen, dass er noch nie stundenlang lesend am Arbeitsplatz verbracht hat, noch nie Büroarbeiten verrichten musste. Ganz zu schweigen von buchhalterischen Arbeiten! Ich vermute, es handelt sich um eine Aktion, um Fehlstunden zu kaschieren.

    Wir möchten ihm helfen, diese Ausbildung zu schaffen. Er ist ein ausgesprochen guter Entwickler, was nicht bedeutet, dass er schon ausgelernt hat. 😉

    Er ist für diese Stelle aus einer anderen Stadt hierhergezogen. Wir halfen ihm bei der Wohnungssuche und hatten Verständnis, als er die ersten drei Wochen nicht erschien, weil er noch keine Unterkunft hatte. Wir, unsere Kunden und Lieferanten schätzen seine Person und seine Arbeit. Aber mit dieser Einstellung schafft ers nicht.

    Wenn er jetzt nicht durch die Abmahnung (ein Schuss vor den Bug => niemand fühlt sich gut dabei!) lernt, seine Nachweise zu führen (gerne mit unserer Hilfe, wobei ich ehrlich gesagt ungeduldiger werde, da er schon Mitte 20 ist), würde er nach jetzigem Stand nicht mal zur Prüfung zugelassen.

    Ich habe in Gesprächen vorgefühlt, ob evtl. persönliche Probleme mitspielen oder die Umstellung in der neuen Umgebung. Mein Verdacht geht inzwischen eher dahin, dass er einfach lieber nach Hause geht, um gepflegt eine Runde zu zocken.

    Ich suche nach geeigneten Maßnahmen und Ideen, mit denen ich ihn davon überzeugen kann, seine Pflichten zu erledigen, ohne ihn beruflich zu erledigen.

    Eine weitere Frage ist: Gerne würde ich ihn die unentschuldigten Fehlstunden nacharbeiten lassen. Gehaltskürzung kommt und kam nie infrage, da er eine eigene Wohnung unterhalten muss, außerdem geht es mir in erster Linie darum, Zeit zu finden, ihm die verpassten Ausbildungsinhalte nachzuvermitteln.

    Inwieweit würde ich damit in Konflikt mit den Arbeitszeiten kommen. Weiß jemand Näheres?

    LG,
    Query

    Tut mir leid wegen des langen Texts. Ich musste es mir von der Seele schreiben.

    #130347
    stefan.macke
    Teilnehmer

    Vielleicht hilft es, wenn du nach der Ursache für das Verhalten suchst!? Das Berichtsheft ist nun nicht gerade das Lieblingsthema der meisten Azubis. Es ist eher ein lästiges Pflichtprogramm. Aber viele Azubis wissen z.B. gar nicht, dass es eigentlich zu ihrem Vorteil ist, wenn sie ein gut geführtes Berichtsheft haben (da es z.B. der einzige „Beweis“ für eine schlechte Ausbildung ist). Ich habe meine Gedanken dazu mal zusammengeschrieben: Tipps zum Berichtsheft.

    Außerdem kann man das Schreiben des Berichtshefts z.B. auch etwas spannender gestalten. Vielleicht durch den Einsatz interessanter Technologien (z.B. Wiki, Markdown, LaTeX). Dabei kann der Azubi dann sogar noch etwas lernen bzw. „rumspielen“.

    Ich würde dem Azubi noch einmal deutlich machen, warum er das Berichtsheft überhaupt führen muss und ihm die Gelegenheit geben, sich ein wenig dabei zu „entfalten“. Vielleicht hilft das ja…

    #130348
    Query
    Teilnehmer

    Im Betrieb wird Atlassian Jira genutzt. Vielleicht ist das eine Möglichkeit, ihm das lästige Berichtheftschreiben zu erleichtern.

    Den Blogartikel werde ich gemeinsam mit ihm durchlesen und ihm Gelegenheit geben, sich Gedanken darüber zu machen, wie ihm diese Arbeit am Leichtesten fällt.

    Vielleicht komme ich im Gespräch auch der Ursache seiner Fehlstunden auf den Grund.

    #130346
    Angela
    Moderator

    Scheint mir ein wirklich schwieriger Fall zu sein, da es ja nicht nur um das Berichtsheft alleine geht.

    Auf keinen Fall solltest Du das Berichtsheft abzeichnen, wenn darin nicht die korrekten Tätigkeiten und Zeiten eingetragen sind. Das Berichtsheft kann nämlich auch dazu dienen, z.B. nach einer versemmelten Prüfung den Betrieb haftbar zu machen, dass er ihn mit fachfremden Arbeiten beschäftigt hat anstatt ihn auszubilden. Hier ist also durchaus auch von betrieblicher Seite Vorsicht geboten.

    Das Thema unentschuldigtes Fehlen würde ich auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn man das eine gewisse Zeit hinnimmt ohne disziplinatisch dagegen vorzugehen, kann sich der Arbeitnehmer/Auszubildende iregndwann darauf berufen, dass das Verhalten geduldet wurde und man hat gar keine Möglichkeit mehr dagegen etwas zu unternehmen. Es wäre dann z.B. sogar eine Abmahung hinfällig geschweige denn ihn die Zeit nacharbeiten zu lassen.

    Das ist ebenfalls eine gewisse Grauzone. Da sein unentschuldiges Fernbleiben ja geduldet wurde, kann man ihn nicht einfach dazu zwingen diese Zeit nachzuholen. Prinzipiell ist dies natürlich möglich, wenn er mitspielt. Dabei sollte aber dringend auf die gesetzlich zulässigen Höchstarbeitszeiten sowie die vorgeschriebenen Ruhezeiten geachtet werden. Die entsprechenden Regelungen findest Du im Arbeitszeitgesetz.

    #130349
    Herbi
    Teilnehmer

    Also ich denke auch, dass eine Abmahnung der nächste Schritt hier sein sollte! Wenn er merkt, dass er sich das alles leisten kann ohne Konsequenzen, wird er einfach so weiter machen. ich würde ihn zuerst abmahnen und dann um ein Gespräch bitten und nach etvl Gründen für sein Verhalten fragen. Auf der einen seite hart aber auf der anderen auch interessiert und besorgt sein ist denke ich die richtige Mischung.

    #151737
    Anonym

    Wäre schon ein Grund zum kündigen

    #151846
    Anonym

    Sehr spannend :d

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