Arbeitszeit / Kündigungsdrohung


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  • #109412
    ahugga
    Teilnehmer

    Hallo Zusammen,

    Meine Arbeitszeit laut IHK-Ausbildungsvertrag zieht sich von 08:00 – 17:00 Uhr.

    Heute Abend kam mein Chef um 16:45 Uhr ins Büro und sprach mit mir und meinem Ausbilder.

    um 17:00 packte ich meine Sachen und wollte gerade gehen, als der Geschäftsführer mich fragte was mit mir sei, wir seien doch gerade im Gespräch und ich könne nicht einfach gehen. Ich entgegnete dass meine Arbeitszeit vorüber sei und ging. Er wollte weiter streiten, worauf ich ihm sagte er solle mir ggf. eine Abmahnung zukommen lassen. Daraufhin drohte er mir mit Kündigung.

    Besteht eine Grundlage für Abmahnung/Kündigung?

    #129460
    Angela
    Moderator

    Bzgl. Arbeitszeiten ist entscheidend, ob Du über oder unter 18 bist. Unter 18 gilt das Gesetz zum Schutz der arbeitenden Jugend (JArbSchG), über 18 das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). So viel zum rechtlichen.

    Abgesehen davon ist Dein Verhalten eine grobe Unhöflichkeit und kein Benehmen, das man Vorgsetzten oder irgendjemand anderem gegenüber an den Tag legt. Leise hege ich die Hoffnung, dass das Post ein Fake ist, aber leider gibt es solches Verhalten tatsächlich.

    Wärst Du mein Azubi, hättest Du nichts mehr zu lachen, das kann ich Dir versprechen! Und auch wenn Dein Vorgesetzter keine Möglichkeit findet, das angesprochene Verhalten abzumahnen -es wird sich eine andere Gelegenheit finden. Niemand hält sich in allen Punkten detailgetreu an seinen Vertrag. Glaub mir, ich würde was finden!

    So jemanden könnte ich in meinem Unternehmen auf jeden Fall nicht brauchen und allerspätestens nach der Ausbildung wärst Du weg (mit einem entpsrechenden Zeugnis).

    #129466
    ahugga
    Teilnehmer

    Tach Angela,

    Also ich finde es ja nett dass du mir hier antwortest, auf meine eigentliche Frage bist du allerdings nicht wirklich eingegangen. Ich möchte lediglich wissen ob der gute Mann mir legal ans Bein pinkeln kann wenn ich nach Ende meiner vertraglich festgelegten Arbeitszeit das Gebäude verlasse. Ich möchte dagegen nicht wissen ob ich als Revoluzzer am nächsten Baum hochgezogen gehöre.

    Nichtsdestotrotz nehme ich mir jetzt einfach mal die Zeit und gehe auf deine Antwort als solche ein:

    Du sprichst hier von grober Unhöflichkeit und schlechtem Benehmen. Ich spreche hier von gegenseitigem Respekt. Ich begegne meinem Chef so, wie er auch mir begegnet. Mein Chef schert sich einen Dreck um seine Azubis, es gibt keine geprüften, ausgebildeten Ausbilder, die Ausbildungsvergütung ist ein Witz. Der Rahmenlehrplan wird nicht eingehalten. Überstunden sind unbezahlt. Der Ton, mit dem der Geschäftsführer spricht, erinnert an einen Drillseargent. Mitarbeiter werden gedutzt. Azubis übernehmen Aufgaben die mit ihrem Ausbildungsberuf nichts zu tun haben.

    Ich könnte diese Liste noch ein wenig ergänzen, aber ich denke du siehst, ich bin nicht der Einzige der sich verhält wie ein Flegel. Wenn du das nächste mal in diesem Forum hier postest, so urteile doch bitte nicht vorschnell, ohne die Hintergründe zu kennen und versuch stattdessen auf die Frage einzugehen.

    Ich wünsche dir und deinen Azubis einen angenehmen Tag, Angie

    #129461
    Angela
    Moderator

    Dass sich Deine Vorgesetzten ebenfalls nicht angemessen benehmen mag ein Grund sein, aber keine Entschuldigung. Ich verlasse nicht während eines Gesprächs den Raum, egal in welchem Umfeld das Gespräch stattfindet. Als Vorgesetzter muss ich davon ausgehen, dass mein Mitarbeiter/Azubi ein solches Verhalten ebenfalls bei einem Kunden an den Tag legen würde. Und so etwas ist nicht tragbar in einem Unternehmen.

    Auf Deine Frage bin ich am Anfang meiner Antwort eingegangen. Da ich kein Arbeitsrichter bin, kann ich nicht verbindlich sagen, ob das Verhalten eine Abmahnung rechtfertigt. Dies wäre mit einem entsprechenden Ansprechpartner zu klären.

    #129467
    ahugga
    Teilnehmer

    Wir sprechen hier von folgender Situation:

    Es handelt sich nicht um ein Unternehmen, bei dem eine Arbeitsstelle auch nur ein My mehr wert wäre als das Geld dass es monatlich auf mein Konto überweißt.

    Wir reden hier von einer Ausbildung bei der mein Ausbilder mich, nachdem ich ihn frage weshalb er zehntausend Variablen deklariert anstatt ein Array zu nehmen, anglotzt und fragt was denn ein Array sei.

    Ich sitze in einem Büro mit diesem Mann, alleine. Tag für Tag. Was ich über meinen Beruf (AE) gelernt habe, weiß ich durch autodidaktisches Lernen.

    Die Charaktereigenschaften des Unternehmsführers muss ich ja nicht noch näher erläutern. Ich möchte einen Beruf lernen mit dem ich eine Karriere starten kann, mit der ich in meinem Leben Fuß fassen kann, verstehen sie? Stattdessen sitze ich bei diesem Halbaffen und werde zum Excelroboter ausgebildet. Wenn ich fertig mit der Ausbildung bin, wer soll mich denn dann einstellen? Essenzielle Dinge, die für eine solche Stelle notwendig sind, werden mir nicht beigebracht.

    Und dann kommt der zu mir und baut sich vor mir auf weil ich, nachdem ich Feierabend habe und gerne zu meiner Freundin, Wohnung usw möchte, nichtmehr seinem Gelaber über seine Geschäfte zuhöre sondern gehe.

    Die Ausbildungssituation für viele deutsche Azubis in diesem Bereich ist beschissen. Und dann werden wir hingestellt wie stinkendfaule Drecksäcke.

    #129463
    iche
    Teilnehmer

    So wie du das machst, wird’s aber eher noch schlimmer.
    Wenn die Ausbildung dort so ist, solltest du dir einen neuen Ausbildungsbetrieb suchen.

    Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten. (Oscar Wilde)

    #129468
    ahugga
    Teilnehmer

    Das ist leichter gesagt als getan. Insbesondere hier im Saarland ist es schwer einen Betrieb zu finden der ausbildet und gleichzeitig auch in der Lage ist die Ausbildung richtig zu gestalten. Ich spreche aus Erfahrung. Aber wir weichen hier vom Thema ab. Ich wollte lediglich loswerden dass ich es nicht in Ordnung fand dass ich hier, wo ich eigentlich Hilfe suche, statt einer Hilfestellung eine Standpauke bekomme.

    Ich verstehe euren Standpunkt, und vielleicht habt ihr gar Recht damit. Aber danach habe ich – keine Feindschaft – nicht gefragt.

    Wenn also jemand weiß wie die Rechtslage hier aussieht, so sei er sich meiner Dankbarkeit im Voraus gewiss. Allen anderen wünsche ich einen ergonomisch geformten Bürostuhl.

    #129464
    iche
    Teilnehmer

    Also eine Rechtsauskunft kann dir hier niemand geben, obendrein kennt hier niemand deinen Vertrag und dessen Status.
    Es ist unwahrscheinlich, dass man dich wegen Erfüllung des Vertrages abmahnen kann. Eine Kündigung des Ausbildungsverhältnises ist sowieso nur schwer möglich, da musst du schon richtig in die Vollen gegriffen haben.
    Sollte er dich abmahnen, reiche einen Widerspuch ein.
    Soviel dazu. Dein Chef hat prinzipiell das Recht, Überstunden anzuordnen. Im benannten Fall wäre es cleverer gewesen, auf einen Facharzttermin zu verweisen. Spätestens wenn Chefe danach fragt bei wem oder wegen was, kann man ihm immer noch unter die Nase reiben, dass ihn das weder was angeht noch dass er das erfahren wird.
    Ich kann deinen Ärger schon verstehen, wenn gewisse Kreise Respekt einfordern, den sie selber nicht besitzen. Aber gerade weil es eben nicht so einfach ist, eine andere Stelle zu finden, muss man sehen wo man bleibt und einen Mittelweg finden. Das sollte immer so aussehen, das man einen Ausweg hat… Einen Plan B. Das Einzige, was du an der Situation retten kannst, ist eine entsprechende Auseinandersetzung mit deinen Chef zum Erfüllungsstand des Ausbildungsvertrages. Aber bei allem Verständnis für die geschilderte Lage darfst du aber auch nicht eine reale Selbsteinschätzung und -reflektion vergessen, denn jeder macht Fehler, auch du.

    Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten. (Oscar Wilde)

    #129462
    TschiTschi
    Teilnehmer

    Dein verhalten ist schlicht und ergreifend ungehörig. Und wenn Dir Dein Chef böse will, dann bekommst Du eine Abmahnung wegen Arbeitsverweigerung.
    Und so, wie Du hier schreibst, fehlt Dir allgemein die richtige Einstellung zu Deiner Arbeit/ Ausbildung.
    Wenn die Ausbildung wirklich so schlimm ist, wie Du sagst, dann würde ich einen neuen Betrieb suchen (ggf. mit Hilfe der IHK). Falls Du das nicht willst, musst Du Dich zusammenreißen und gute Miene zum bösen Spiel machen (wenn’s denn wirklich so schlimm ist). Dein Verhalten verschärft die Situation für Dich nur. Und Du solltest nie vergessen, Du bist der Azubi und Du kannst Dir nicht dieselben Rechte herausnehmen, wie Dein Chef – oder wie der Lateiner sagt: Quod licet Jovi, non licet bovi!

    #129469
    ahugga
    Teilnehmer

    Abmahnung wegen Arbeitsverweigerung also. Damit kann ich durchaus leben.

    Ungehörig trifft es nicht ganz. Zugehört hat der Mann mir während dessen nämlich. Etwas, was viele andere Azubis nicht erfahren durften.

    Wie der Friese sagt: Lever dood as Slav

    Wer hier der Ochse ist, das gilt es zu erweisen.

    Auch dir einen schönen Dank für deinen Ratschlag und deinen Beitrag, TschiTschi 🙂

    #129465
    iche
    Teilnehmer

    Es sei jedoch angemerkt, dass das herauszulesende Frustlevel schon zum Verlust der „richtigen“ Einstellung führen kann. Ob das klug ist, ist ein anderes Blatt Papier…
    Wer nicht selber mal in einer solchen Situation gesteckt hat kann da aber wirklich nicht mitreden. Ich hatte sowas auch schon, das gipfelte darin, dass „Jovi“ mir am letzten Tag vorm Sommerurlaub mitteilte, dass ich nur eine Woche Urlaub machen kann und eigentlich am kommenden Montag noch was zu tun hätte… „…an die Ostsee brauchst du eh nicht fahren, soll ganz beschissenes Wetter werden…“ Ich ging in den Urlaub und kam nicht wieder. Der Lohn war 3 Monate Sperrfrist beim Arbeitsamt, die aber nur einen Monat dauerte, dann hatte ich nen neuen Job.
    Wenn man bei solchen Chefs noch zeigt dass man sich alles gefallen lässt, arbeitet man ehe man sich versieht rund um die Uhr und ordnet alles seiner achsotollen Firma unter, um dann mit Mitte 30 im Burnout zu landen. Diese Grenzen sind fließend und wenn man sie nicht selber auf die eine oder andere Art im erträglichen Rahmen vorher absteckt, macht es niemand.
    Und Chefbonus hin oder her,dieser kennt sicher den Dienstplan seiner Leute und hat i.d.R. 8h Zeit, alles was die Arbeit betrifft in dieser Zeit zu klären, es seimdenn, es herrscht ein betrieblicher Notstand. Fast alles andere ist selten so wichtig, dass man es nicht am nächsten Tag klären könnte und es ist schon etwas respektlos, schlicht vorauszusetzen, dass der MA oder Azubi mal eben länger bleibt, vielleicht den Zug verpasst und dafür dann 2h später nach Hause kommt. In meinem Betrieb ist man zB sehr angestrengt, Überstunden zu vermeiden. Azubis dürfen gar keine machen.
    Respekt sollte auf Gegenseitigkeit beruhen und Respektlose haben kein Anrecht darauf, dass sich der Gegenüber respektlosigkeit gefallen lässt. Oder, wie der Deutsche sagt: „wie man in den Wald hinein ruft, schallt es heraus“

    Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten. (Oscar Wilde)

    #129470
    Francis
    Teilnehmer

    Danke für den Beitrag.

    Den habe ich heute auch. gebraucht xD

    Mein Kolleg hatte eine Auseinandersetzung mit dem Chef.

    Es ging auch um die Arbeitszeit. Aber nun hatte er Gute Argumente durch diesen Beitrag.

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