Abmahnung bekommen – kein akzeptabler Grund – wie gehe ich vor?


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  • #109206
    Mysterio
    Teilnehmer

    Hallo,

    ich arbeite in einer Internetagentur als Webseiten-Entwickler (FI-Anwendungsentwicklung).
    Ich bin seit kurzem im 2ten Lehrjahr. Meine Berufsschultage sind jeden Montag und jeden Mittwoch. In meinem Arbeitsvertrag stehen 40 Stunden wöchentlich. Folgende Stunden erreiche ich:

    Montag: 08:00-15:00 Schule + 1 Stunde Fahrt zur Arbeit
    Dienstag: 08:30 – 17:00
    Mittwoch: 08:00-15:00 Schule + 1 Stunde Fahrt zur Arbeit
    Donnerstag: 08:30 – 17:00
    Freitag: 08:30 – 17:00

    Laut Gesetz wird die Berufschulzeit von Beginn der ersten Stunde bis zur letzten (inkl. Pausen und Freistunden) + der Weg von Schule zum Betrieb der Arbeitszeit zugeschrieben. In dem Fall würde ich meine 40 Stunden in der Woche locker erreichen, richtig? Dies wurde mir auch schon so von der IHK bestätigt.

    Mein Chef meinte letztens in einem öffentlichen Gespräch zu mir:“Für dich muss wegen der Schulzeit auch noch eine Regelung gefunden werden, dass du dann nach der Schule in den Betrieb kommst.“
    Ich antwortete darauf:“Ich werde nach der Schule nicht arbeiten. Ich habe alle Stunden voll und desweiteren möchte ich die Zeit nach der Schule für Präsentation sowie Hausaufgaben nutzen.“
    Daraufhin kam ein paar Tage später eine Abmahnung wegen Arbeitsverweigerung und Respektlosigkeit von meinem Chef. Ich konnte es nicht fassen. Ich werde nun das Gespräch mit der IHK suchen, da ich diese Abmahnung nicht akzeptiere.

    Ich sehe das so:
    • Ich habe kein respektloses Verhalten an den Tag gelegt
    • Ich habe mit meinem Recht geantwortet
    • Ich erreiche die 40 Stunden pro Woche, also steht eine „Regelung“ (wie er sagt) meiner Meinung nach gar nicht erst zur Debatte, wenn ich sofort sage, dass ich nicht dazu bereit bin. (schließlich würde ich dann sozusagen überstunden machen -> muss ich ja nicht wenn ich nicht möchte)
    • Es war keine Arbeitsverweigerung sondern lediglich meine rechtlich korrekte Antwort auf sein Vorhaben

    Demnach stelle ich fest, dass die Abmahnung völlig grundlos ist. Dies wurde mir nun schon von vielen Personen (auch anderen Kollegen) bestätigt.

    Da ich denke, dass ihr euch hier gut mit sowas auskennt, möchte ich auch hier nach Hilfe fragen.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich da unterstützen könnte. Vielen Dank im Voraus.

    Liebe Grüße

    #127945
    Angela
    Moderator

    Hallo Mysterio! 🙂

    Die Frage „nach der BS in die Arbeit“ taucht häufig auf. Hierzu: http://www.fi-ausbilden.de/infopool/grundlagen/faq.html#irfaq_5_51464

    Ich gehe davon aus, dass Du eine tägliche Arbeitszeit von 8 h hast.

    Deine reguläre Arbeitszeit beginnt um 08:30. Damit darfst Du die Berufsschulzeit auch erst ab 08:30 auf die Arbeitszeit anrechnen.

    Damit ergibt sich für einen Berufsschultag nach Deinen Angaben eine Arbeitszeit von 7,5 h. Verbleibt als noch 0,5 h. Nach gängiger Auffassung kann Dein Betrieb verlangen, dass Du für diese 0,5 h in die Arbeit kommen musst, da die Zeit nicht zu kurz ist, um dem Ausbildungszweck zu dienen.

    Es tut mir leid, dass Du diesbezüglich von Deiner zuständigen IHK falsch informiert wurdest.

    Ein anderes Thema ist die Abmahnung. Hast Du den Wortlaut hier korrekt wieder gegeben, war Dein Verhalten in diesem Fall meiner Auffasung nach nicht unbedingt respektlos, aber auch nicht angemessen. Eine Abmahnung wegen respektlosem Verhalten wäre in meinen Augen hier jedoch nicht gerechtfertigt.

    Anders die Sache mit der Arbeitsverweigerung. Die ist gegeben, da Du, wie erläutert, nach der Berufsschule Deine fehlende halbe Stunde noch arbeiten musst. Die Abmahnung sehe ich hier deshalb als zwar etwas heftige Reaktion des Betriebes, nichtsdestotrotz aber rechtlich haltbar.

    Mein Rat deswegen: ein klärendes Gespräch mit dem Chef suchen. Deine Gründe für die ursprüngliche Ablehnung darlegen. Akzeptieren, dass Du nach der Schule noch für eine halbe Stunde in den Betrieb kommst. Kooperativ sein! Es nützt keinem und am allerwenigsten Dir, hier die Messer auszupacken!

    Versuche dabei auch, die Abmahung ändern zu lassen, da der Punkt der Respektlosigkeit nicht gegeben war. Es sei denn, das Gespräch verlief doch anders als hier wieder gegeben. 😉 Wenn Du das Ganze vernünftig angehst, könnte ich mir auch vorstellen, dass Dein Chef von sich aus die Abmahnung komplett fallen lässt. Wenn nicht, musst Du eine Abmahnung wegen Arbeitsverweigerung bzw. unerlaubtem Fernbleiben hinnehmen.

    Bedenke dabei auch, dass ein weiteres Auftreten des abgemahnten Verhaltens zur Kündigung berechtigt! Kommst Du also beim nächsten Mal wieder nicht nach der Berufsschule in die Arbeit, ist das ein weiteres unentschuldigtes Fernbleiben und Dir kann die Kündigung drochen!

    #127952
    Mysterio
    Teilnehmer

    Hallo Angela,
    vielen Dank für deine Antwort.

    Ich habe nie respeklos oder mit vorlautem Ton zu meinem Chef oder anderen Angestellten gesprochen. Ich habe dies auch in weiteren Gesprächen nicht vor 🙂

    Okay, dann habe ich mich im Firstpost wohl falsch ausgedrückt. Ich habe es letztens festgestellt, dass ich nach der Schule erst um ca. 16:30 auf der Arbeit wäre. Somit bekomme ich die 8 Stunden voll. Reguläres Ende der Schule ist um 15:30, jedoch haben die Schüler mit dem Lehrer abgemacht, dass wir bereits um 15:00 Schluss machen und vorher einfach die Stunde Mittagspause auf eine halbe Stunde verkürzen. Bis ich vom Klassenraum zu meinem Auto gelaufen bin und vom Parkplatz gefahren bin, dauert es ca. 20 Minuten (Der Parkplatz ist groß und zu dieser Zeit fährt halt die gesamte Schule => Stau).Ich habe eine Fahrgemeinschaft mit anderen Schülern, also geht der nachhause Weg erst zu einem nach hause (ist kein großer umweg, einmal von der Autobahn runter und wieder rauf).
    Danach geht es weiter zu einem Mitfahrerparkplatz auf dem ich parke. Bis dahin dauert es ca. 50 Minuten. Von diesem Mitfhrerparkplatz benötige ich nochmals 20 Minuten zu meiner Arbeit. Somit lande ich im Durchschnitt bei 16:30. Diese Zeiten habe ich nun mehrmals schon überprüft in den letzten Wochen.

    Somit war meine Aussage zu meinem Chef völlig gerechtfertigt. Wenn ich meine 40 Stunden/Woche erfülle kann ich direkt ablehnen wenn es darum geht eine „Regelung“ zu finden „wann ich wie oft nach der Schule zur Arbeit komme“.

    Ich werde gleich nochmal mit dem Zuständigen bei der IHK sprechen.

    #127948
    TschiTschi
    Teilnehmer

    Hi!

    Wenn alles so abgelaufen ist, wie Du das beschrieben hast, würde ich mir an Deiner Stelle überlegen, ob ich in einem solchen Betrieb noch bleiben möchte.
    Wer einem Auszubildenden die Anwesenheitszeit so engstirnig auslegt (was sollst Du denn in einer Std. – wenn’s überhaupt so viel ist) noch lernen und auf einen so nebensächlichen Einwand so überzogen reagiert, der taugt in meinen Augen nicht als Ausbilder.

    GG
    – selbst Ausbilder –

    #127953
    Mysterio
    Teilnehmer

    Vielen Dank für deine Antwort TschiTschi. Ich bin mit der Firma sowieso nicht so zufrieden. Meine Kollegen sind zwar super aber das allgemeine Arbeitsumfeld dennoch mist. Das Problem ist, dass es solche Betriebe bei mir in der Nähe nicht gerade wie Sand am Meer gibt. Wenn sich die Lage nicht wesentlich mehr verschlechtert, bin ich wohl dazu gezwungen hier meine Ausbildung zu beenden. 1 Jahr hab ich ja immerhin schon rum.

    Eigentlich hat mein Chef ja gar keine andere Wahl die Abmahnung zurückzuziehen wenn ich die IHK da informiere. Allerdings würde ich gern mal wissen inwiefern sich so eine Abmahnung auf meine Ausbildung und späteres Arbeitsleben auswirkt?

    #127949
    iche
    Teilnehmer

    Also angela, das stimmt so nicht ganz.der betrieb kann das nach gaengiger rechtsprechung erst fordern,wenn die schulzeit incl wegezeit kürzer als 6h ist. Widersprich der abmahnung, damit ist diese ungültig…lass dir den empfang quittieren.wenn die eine neue schreiben erneuter widerspruch…..und such dir nen ordentlichen betrieb…das riecht nach sklavenhaltung!
    Aber der abmahnung musst du widersprechen, sonst bleibt sie gültig, auch wenn der grund keiner ist.

    Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten. (Oscar Wilde)

    #127946
    Angela
    Moderator
    iche;84402 wrote:
    Also angela, das stimmt so nicht ganz.der betrieb kann das nach gaengiger rechtsprechung erst fordern,wenn die schulzeit incl wegezeit kürzer als 6h ist.

    Davon wüsste ich nichts. Hast Du da ein aktuelles Urteil o.ä.?

    Ich kenne eine generelle Anrechnung nur bei Minderjährigen, bei Volljährigen kann ich nach meinem Kenntnisstand sogar bis zu 10 h täglich verlangen, wenn sich Berufsschul- und Arbeitszeiten „blöd“ überschneiden.

    #127950
    iche
    Teilnehmer

    ich muss ein stück zurückrudern, das bei uns war tarifvertraglich begründet.
    aber abgesehen davon: abmahnungen, die mehrere gründe beinhalten, sind leicht zu zerpflücken. es reicht, einem der angeführten punkte zu widersprechen, damit ist die abmahnung erledigt, reine formsache. Sollte man aber schriftlich machen. Damit ist sie hinfällig. Bei azubis sind abmahnungen obendrein ein stumpfer dolch, weil man die sowieso nicht so einfach loswerden kann… Man kann auch in dem fall davon ausgehen, dass die firma wahrscheinlich kein interesse hat ihn zu kündigen, man will ihn nur einschüchtern.
    kann mich aber tschitschi diesmal nur anschließen. Firmen, die sowas verlangen gehts eher um ausbeutung statt ausbildung.

    Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten. (Oscar Wilde)

    #127947
    Angela
    Moderator

    Ah, ok. Das ist ja ein leidiges Thema, das immer wieder auftaucht und ich will hier natürlich keine veralteten Informationen verbreiten. 😉

    Ansonsten ist das natürlich richtig. Der Abmahung unbedingt schriftlich widersprechen.
    Auch ich finde das Verhalten des Unternehmens überzogen. Wobei ich natürlich die genauen Umstände nicht kenne und damit nicht weiß, was evtl. früher bereits vorgefallen ist.

    #127954
    Mysterio
    Teilnehmer

    Vielen Dank für die ganzen Antworten! Ich habe mittlerweil noch einiges erfahren und bin zurzeit auch dabei eine „Stellungnahme zur Abmahnung“ zu verfassen. In dieser schreibe ich, dass ich mit der Stellungnahme nicht einverstanden bin. Reicht dies aus? Ich werde die Stellungnahme zu meine Chef weitergeben und von ihm unterschreiben lassen (als Beweis, dass er es gelesen hat) und danach soll unsere Sekretärin dieses Dokument zu meiner Personalakte hinzufügen.

    Grüße

    #127951
    iche
    Teilnehmer

    Widerspruch, nicht stellungnahme!

    Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten. (Oscar Wilde)

    #127955
    zhouyzgt4853
    Teilnehmer
    #127956
    Anonym

    Damit ergibt sich für einen Berufsschultag nach Deinen Angaben eine Arbeitszeit von 7,5 h. Verbleibt als noch 0,5 h. Nach gängiger Auffassung kann Dein Betrieb verlangen, dass Du für diese 0,5 h in die Arbeit kommen musst, da die Zeit nicht zu kurz ist, um

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